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Hyaluron – der Alleskönner?

Mittlerweile kennt sie jeder, sie ist in der Beautybranche der Wunderwirkstoff der Stunde: Die Hyaluronsäure.


Als Unterspritzungsmittel glättet sie Falten und gibt der Haut ihre Spannkraft zurück, sie steckt in Shampoos und Cremes und verspricht uns ewige Jugend. Doch was ist Hyaluron eigentlich genau, bringt der Wirkstoff in Kosmetika überhaupt etwas und was sind die Nebenwirkungen?

 

Hyaluronsäure ist in dem Sinne keine Erfindung der Medizin, sondern ein körpereigener Stoff, der ein wichtiger Bestandteil unseres Bindegewebes, unserer Gelenke und Knorpel ist. Sie dient dem Körper u.a. zum Transport von Vitalstoffen und garantiert Stabilität und problemlose Bewegungsabläufe. Doch was der Hyaluronsäure ihren Namen „Wunderwaffe“ verleiht, ist ihre einzigartige Fähigkeit, Wasser zu binden, genauer gesagt kann sie das 6000-fach ihres Eigengewichts speichern, was bei einem Gramm sechs Liter Wasser sind.
Leider baut die körpereigene Produktion der Hyaluronsäure im Laufe des Lebens relativ schnell ab, bereits mit 40 Jahren hat man nur noch rund 40% der ursprünglichen Masse zur Verfügung.  Altern kann man nicht aufhalten, aber man kann optisch die Uhr ein wenig zurückdrehen. Das wichtigste Kennzeichen für Jugend ist nunmal die Haut. Hyaluron ist gut verträglich, da es heutzutage nicht mehr wie früher aus Hahnenkämmen gewonnen wird, sondern biotechnologisch z.B. aus Hefe fermentiert wird.

Hyaluron zur Faltenunterspritzung

Dickere Lippen, vollere Wangen, glattere Konturen – es gibt kaum noch Bereiche am Körper, wo Hyaluron nicht verwendet wird.
Zunächst möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass folgender Text zur Unterspritzung nur meine eigene Meinung und meine Erfahrung widerspiegelt. Wer mich kennt, weiss, dass ich aktuell berufsgeleitend meine Ausbildung zum Heilpraktiker mache und kosmetischen Eingriffen immer mit einer gesunden Skepsis gegenüberstehen werde. Lippen lassen sich mit dem Filler Hyaluronsäure hervorragend modellieren, man muss nur darauf achten, was für eine Hyaluronsäure verwendet wird. Es gibt dickflüssigeres und dünnflüssigeres Hyalurongel, wobei die Konsistenz davon abhängt, wie stark die Moleküle miteinander vernetzt sind. Welche Stärke des Gels für welchen Gesichtsbereich optimal ist, entscheidet der Arzt.
Von Behandlungen im Bereich der Zornesfalte würde ich euch abraten, weil gerade dort sehr viele Gefäße und Nerven verlaufen und die Risiken eines Infarktes meiner Meinung nach zu hoch sind. Die Wirkung hält zwischen 4 und 12 Monaten an, je nachdem, welches Hyalurongel verwendet wurde und wie der Stoffwechsel und die Lebensgewohnheiten des Patienten sind (Sport, Rauchen und Sauna verringern z.B. die Haltbarkeit von Hyaluron). Nach den Behandlungen ist es wichtig, viel Wasser zu trinken, damit das Hyaluron Feuchtigkeit an sich binden kann und somit der Aufpolsterungseffekt lange anhält. Durch Hyaluronfiller können sich selten Knötchen bilden, sogenannte Granulome, die sich aber meistens durch ein Gegenmittel auflösen lassen. Unterspritzungen sind ein invasiver Eingriff und sollten nur von Personen durchgeführt werden, die oft Eingriffe machen und ihr Handwerk beherrschen.

Hyaluron in der Kosmetik

Ob als Creme, als Ampullen oder Sheet Masken – kann Hyaluron wirklich in die allertiefste Hautschicht vordringen? Die Antwort ist leider nein. Was einen tollen Wirkstoff leider schnell in Verruf bringen kann, sind Hersteller, die behaupten, ihr Produkt könne die in der Tiefe wirken und die körpereigene Produktion ankurbeln. Hyaluron ist ein Polysaccharid, also ein Mehrfachzucker, der als langkettiger und kurzkettiger Zucker vorkommt.
Cremes, die mit langkettigem (hochmolekularem) Hyaluron versetzt sind, wirken auf der Hautoberfläche und haben einen unittelbar sichtbaren Effekt. Falten entstehen zum Großteil dadurch, dass die Haut trocken ist und sich somit die Gesichtsmimik „eingraben“ kann. Menschen, die zu fettiger Haut tendieren, habe oft deutlich weniger Falten haben als die mit trockener Haut. Hyaluronampullen- und Cremes binden somit viel Feuchtigkeit an sich und halten die Hautoberfläche geschmeidig. Kurzkettige (niedermolekulare) Hyaluronsäure sickert etwas tiefer als nur in die erste Hautschicht und kann so auf längere Sicht den Wasserhaushalt ausgleichen. Für ein optimales Ergebnis eignen sich Produkte, die beide Arten der Hyaluronsäure miteinander verbinden (weiter unten habe ich Euch eine Creme verlinkt, die beides kann).

Hyaluron zum Trinken

Ja, ihr habt richtig gelesen, Hyaluron kann man jetzt auch trinken! Der Anti-Aging Beauty Drink besteht aus Früchten, Nüssen und Gemüse, die über mehrere Stufen fermentiert werden. Heraus kommt dabei eine sogenannte Regulatessenz, bestehend aus Konzentraten, die den Körper optimal mit Nährstoffen versorgen und dessen Selbstheilungsprozess ankurbeln sollen. Diese Flüssigkeit wird zusätzlich mit Hyaluron angereichert und soll die Haut von innen mit Spannkraft und Feuchtigkeit versorgen, wodurch Falten geglättet werden. Da keine tierischen Stoffe enthalten sind, eignet sich die Essenz auch für Veganer. Ich muss zugeben, ich selbst habe den Wunderdrink noch nicht probiert, er steht allerdings für Weihnachten schon auf meiner Wunschliste. Mal schauen ob er hält, was die Bewertungen versprechen. Ich werde berichten!