© Alex Frankel

Alex Frankl: Hammer Kerl

Wow! Durchtrainiert, hipper Bart, langes, welliges Haar, der Traum vieler Frauen – Alex Frankel! 

Kaum vorstellbar, dass der 26-jährige Tenor zu seiner Hochzeit fast 200 Kg auf die Waage brachte. „Die einen rauchen, die anderen trinken, ich… habe gegessen“, so Alex. Essen war für ihn wie ein „Painkiller“ – es tötete seine Zweifel und Ängste, die er gerne unter den Teppich kehrte, statt sich ihnen zu stellen. Im Interview für theCurvyMagazine erzählt er von seiner Metamorphose – wie im Laufe von fast drei Jahren aus dem „fat kid“, wie er sich selbst nennt, der attraktive Mann wurde, der nicht nur Opern singt, sondern auch als plus-size Male Model durchstartet.
 
theCurvyMagazine: Was war der Auslöser für deine Wandlung?
Alex Frankel: Der Auslöser war dieses Mädchen, das ich im Herbst 2015 kennenlernte, eine Balletttänzerin. Am Tag nach unserem ersten Date bin ich nach Chinatown und habe eine ganze Peking-Ente verputzt, eine ganze Ente, glaub‘ mir, das ist richtig viel! Da waren wieder diese Zweifel: Das ist zu schön, um wahr zu sein! Warum ich? Verdiene ich es, mit ihr zusammen zu sein? Am nächsten Tag ging’s mir richtig schlecht, mir war so übel! Da wusste ich, ich muss etwas tun! Und habe zum ersten Mal eine Yoga-Stunde gemacht – das war der Beginn meiner Reise.

 
theCurvyMagazine: Wer hat deine Reise begleitet, hat dich unterstützt?
AF: Indirekt besagtes Mädchen. Sie beendete die Beziehung nach drei Monaten, das war tough! Aber auch ein Ansporn, denn statt aus Kummer zu essen, habe ich Sport gemacht, ging täglich zum Yoga und hatte nach 6 Monaten 50 Pfund abgenommen. Den wichtigsten aktiven Part spielt aber mein bester Freund, Jiyang Chan, ein international bekannter Fotograf. Er überredete mich zu dieser Fotosession. „Hey“, sagte er, „lass uns ein paar Fotos machen von deinem neuen Ich“. Am 29. Dezember 2015 machten wir die Fotos, und als ich sie sah, war ich völlig hin und weg! „Wow!“, dachte ich, „ich hab‘ ja mehr zu bieten, als ich dachte!“. Die Bilder haben meinen Blick auf mich völlig verändert, ich fühlte mich selbstbewusst und wichtig. Jiyang unterstützt mich bis heute.

 
theCurvyMagazine: Was brachte dich auf die Idee zu modeln?
AF:
Im Februar 2016 nahm IMG Zach Miko unter Vertrag – eine der wichtigsten Modelagenturen der Welt vertritt ein Plus Size Male Model, wow! „Das ist es“, dachte ich, „das möchte ich machen“! Ich hatte als Kind nie wirklich Vorbilder, mein Maßstab waren Brad Pitt & Co. Vielleicht kann ich einen Beitrag leisten, dass Kids realistischere Vorbilder haben. Ich bin bei State Management unter Vertrag, und es ist schon komisch – oft bin ich zu „schlank“. Es muss unbedingt ein Gleichgewicht her zwischen „normal“ und „curvy“.

 
theCurvyMagazine: Was waren die schlimmsten Beschimpfungen, die du als „fat Kid“ ertragen musstest?
AF:Es waren nicht wirklich die Beschimpfungen. Es war die Art, wie man mich anschaute, behandelte oder ignorierte. Ich war einfach der schwitzende Typ mit Männerbrüsten. Ständig wurde ich wegen meines Gewichts und meines Aussehend gehänselt.

 
theCurvyMagazine: Wie ist das heute? Wie fühlst du dich?
AF:Heute behandelt man mich sehr nett. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich die Aufmerksamkeit nicht mag, klar gefällt mir das. Ich bin heute selbstbewusster, fühle mich freier. Aber krass ist es schon, denn letztendlich geht’s nicht um mich, sondern darum, wie ich aussehe.

 
theCurvyMagazine: Warum Oper?
AF:Weil ich ein ganz schlechter Tänzer bin (lacht). Scherz beiseite, ich wollte immer Schauspieler werden. Auf der Highschool sang ich in drei Chören, hatte einen tollen Gesangslehrer, der mich förderte. Oper ist für mich die höchste Form der Kunst. Sie vereint bildende Kunst, Musik und Theater. Oper ist die beste Geschichtenerzählerin.

 

theCurvyMagazine: Wie sieht ein glücklicher Tag im Leben von Alex Frankel aus?
AF: Ich stelle mir vor, wie ich am Morgen, nach dem Aufstehen, einen Spaziergang mit meinem imaginären Hund mache. Im Anschluss mache ich einen Model-Job für Levi’s oder Armani, und abends singe ich an der Mailänder Scala, der MET oder der Staatsoper Berlin – das wäre ein perfekter Tag.

 

theCurvyMagazine: Was ist dein großer Traum?
AF: Ich wäre gerne die moderne Version von Mario Lanza, Star-Tenor der 50er-Jahre.

 

theCurvyMagazine: Welche Projekte stehen an?
AF: Ich habe einen exklusiven Vertrag mit MGM für mein erstes eigenes Stück, Delusions of a Tenor – in Anlehnung an Mario Lanza, der am Ende seiner Karriere große Gewichtsprobleme hatte, beschreiben ich das Leben eines Tenors durch die Brille von Alex Frankel, es wird also autobiografische Züge haben.
 

theCurvyMagazine: Bist du heute glücklich?
AF: Auf jeden Fall. Die letzten Wochen waren gut zu mir.