© Kerstin Jacobsen

Ex-Bodybuilderin Carina Møller-Mikkelsen im Interview

Von Muskeln zu Kurven. Wir trafen Carina Møller-Mikkelsen in Berlin.

2014 meldete sich Carina erstmals im Fitnessstudio an und entdeckte die Liebe zu den Trainingsgeräten im Kraftbereich. Unzählige Trainingseinheiten später, folgten die ersten Wettkämpfe in der Frauen Figurklasse. Letztendlich wurde ihr der physische Druck, dem sie jeden Tag aufs neue ausgesetzt war, aber zu groß. Körperliche Perfektion und strikte Ernährungspläne ließ sie Schritt für Schritt hinter sich. Heute ist Carina immer noch diszipliniert und achtet auf ihren Körper aber mit wiedergewonnener Lebensfreude. Extreme lässt sie hinter sich. Ihr Traum: als Curvy-Model durchstarten. Neben einem gemeinsamen Shooting, das vom ZDF begleitet wurde, teilt sie im Interview mit uns ihre außergewöhnliche Geschichte! Im Editorial zeigen wir euch den Athleisure-Look, der noch immer super angesagt. Carina Møller-Mikkelsen zeigt den Trend nun als Curvy Model

The Curvy Magazine: Früher warst du erfolgreiche Bodybuilderin. Wann und Wieso kam der Schritt zum Curvy Model?

Carina Møller-Mikkelsen: Das war ein überfälliger Schritt! Der Bodybuilding-Sport dreht sich um strikte Ernährungspläne und übertriebener Perfektion. Der Haken daran: man ist nie ganz zufrieden mit sich und sucht ständig neue Fehler, die man optimieren muss. Ich habe mich selbst deshalb so sehr unter Druck gesetzt, dass ich lange nicht glücklich und zufrieden war.

Zudem: von Natur aus war ich schon immer etwas „stämmiger“. Früher war es genau das, was mich so unglaublich unglücklich gemacht hat. Ich wollte dünnere Beinen, schlankere Arme und ein nicht so breites Becken. Durch den Sport habe ich gelernt, dass es nicht nur „Schwarz und Weiß“ gibt. Es geht eher darum, sich selbst kennenzulernen und sich bewusst zu machen, was man aus einem herausholen kann.

Keiner muss falschen Idealen nacheifern, nur weil das anderen gefallen könnte. Nein! Nur ich selbst muss mit mir zufrieden sein. Heute liebe ich meine Kurven und alle Ecken und Kanten, die dazu gehören. Ich fühle mich befreit.

 

Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert? Gab es Kritik/Hate Nachrichten?

Viele aus dem Sportbereich waren der Ansicht, dass es „einfacher ist sich gehen zu lassen und fett zu werden“. Aber darum geht es doch gar nicht! Auch als Curvy-Model muss man ein gesundes Maß an Disziplin an den Tag legen, um den Körper in Form zu halten. Ich zwinge mich heute nur zu keinem Extrem mehr, in das mein Körper on Natur aus sowieso nicht reinpasst.

Neben den vielen negativen Nachrichten habe ich aber auch viel Zuspruch bekommen. Viele Mädels haben mir geschrieben, dass ich viel weiblicher, gesünder und glücklicher auf sie wirke. Durch mich hätten sie endlich damit angefangen ihren Körper so zu akzeptieren wie er ist. Ein wunderschönes Kompliment!

 

Fühlst du Dich aktuell wohler in deinem Körper als vorher?

Auf jeden Fall! Ich konnte als Bodybuilderin den ständigen körperlichen Perfektionsdruck nicht mehr ertragen. 24/7 drehte sich alles nur um Ernährung und die Optimierung des eigenen Körpers. Ich habe so schnell ein normales Verhältnis zum Essen verloren und war auch nie zu 100% mit mir selbst zufrieden. Heute würde ich das schon fast als ein krankhaftes Verhalten bezeichnen, wenn ich darüber nachdenke.

 

Hast Du durch Deinen Lebenswandel auch Deinen Kleidungsstil verändert?

Definitiv! Früher habe ich viel Zeit in Sportklamotten verbracht. Heute liebe ich es ausgefallen und verrückt zu sein. Für mich gibt es modetechnisch keine No-Gos mehr.