© Tammy Mohr

Zwischen den Stühlen von Tammy Mohr

Tammy Mohr ist erfolgreiches Curvy Model und hat genug! Zwischen den Stühlen zu sitzen heißt für sie: Du bist raus! Wie sie damit umgeht erzählt sie euch hier

Ich bin Tammy Mohr, ein deutsches Curve Model, das sich gerade in den letzten Zügen des Studiums befindet. Thematisch befasst sich dieses mit Feminismus, Geschlechterforschung und den Medienwissenschaften. Themen, denen ich in den letzten Jahren alles gewidmet habe – meine Kunst, meine Reisen, meinen Aktivismus, meine wissenschaftlichen Arbeiten.  Unter anderem habe ich Abhandlungen über die weibliche Darstellung in den Medien und verbundene Auswirkungen geschrieben, bis ich dann irgendwann merkte, dass mir die Theorie nicht mehr reichte. Ich wollte einen Blick hinter die Kulissen werfen und die praktische Seite kennenlernen. Zudem erkannte ich, wie wichtig es war aktiv zu werden. So habe ich also – um es kurz zu machen – Ende 2016 meinen ersten Modelvertrag unterschrieben.

 

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Also los, rein da in die Mode Branche, mit dabei: meine idealistischen Vorstellungen. Eigensinnig wie ich bin, dachte ich doch tatsächlich, ich könnte an diesen festhalten, während ich mich durch das Biz arbeite. Lange hat es jedoch nicht gedauert, bis ich feststellen musste, dass ich keinen Plan von der Welt hatte, in die ich Hals über Kopf gestolpert bin. Ich fühlte mich komplett verloren. Bis ich auf diesen einen Menschen traf. Damals befand er sich mitten im Durchbruch seiner bisherigen Model-Karriere. Er gab mir Halt in einer Welt, die ich nicht verstand. Ich zeigte ihm die Authentizität, die er vermisste. Wir nannten es Liebe. Und die war echt. Diese Beziehung eröffnete mir binnen meines ersten Jahres Einblicke in die Industrie, die ich anders niemals hätte erhaschen können. Schnell lernte ich beide Seiten der Medaille kennen und begann mich zu fragen, wo ich dort hineingeraten war. Sorgen und Zweifel dem Business gegenüber wuchsen, gefolgt und untermalt von meinen persönlichen Schwierigkeiten: „Tammy, du bist weder das Eine, noch das Andere“, „Du bist zu dünn“, „Du bist zu dick“, „Du bist nicht dick genug“, „Du passt einfach nicht“. Willkommen im Zeitalter der Vielfalt, in der ach-so-inklusiven Fashion Industrie.

2017 – wir plakatieren Körpervielfalt und schließen Körper aus, die nicht plakativ genug sind. Mir wurde klar, dass es zwei Extreme gibt, die ich verkörpern ‚darf‘: Das schlanke Model, oder die kurvige Sexbombe. Niemand glorifiziert das gesunde Mittelmaß. Zwischen den Stühlen zu sitzen heißt: Du bist raus! Geht’s noch? Begreift ihr eigentlich, worum diese Bewegung wirklich geht? Es fühlte sich an, als würde ich einen Kampf gegen eine Industrie, oder gar ein ganzes System kämpfen, das sich fest entschlossen zeigt, mich zu übersehen. Es schien, als müsste ich alles an mir ändern um es ‚zu schaffen‘. Das war und ist nicht mein Ziel. Ich werde meinen Körper nicht ändern. Mein Körper ist es, der verändern wird. Und noch mehr weigere ich mich zu schweigen und meine Persönlichkeit zu unterdrücken. Wisst ihr, für High-Fashion-Models ist Exzentrik das A und O. In den Übergrößen rät man uns, es abzuschwächen …uns abzuschwächen. Nicht mit mir! Es hat mich zwei Jahrzehnte gekostet, die Person zu werden und zu lieben, die ich heute bin. Auf keinen Fall lasse ich mir das von der Industrie nehmen! …Ich hatte es satt.

 

 

Zum Jahreswechsel war es mir Priorität zu erkennen, woran ich festhalte und was ich loslasse. Und wie ihr euch sicherlich bereits dachtet: Ich kann und will das so nicht stehen lassen. Es wird sicherlich keine schnelle, einfache Fahrt – aber ich habe meinen Antrieb zurück. Ich brenne für eine vielfältige Repräsentation. Eine Repräsentation von starken weiblichen Charakteren. Facettenreichen Frauen …aller Hautfarben, Altersgruppen und Körperformen. Das ist es, was wir brauchen! Ich glaube daran. Ich glaube an uns und ich glaube an mich. Ich glaube, dass heutige Models diejenigen sind, die traditionelle Normen herausfordern. Sie sind diejenigen, die in einer Industrie, die Schönheit diktiert und definiert, ein neues Bild von Schönheit prägen. Hierzu fordern wir nicht mehr, als ausreichend Raum und das Vertrauen der Menschen, die mit uns zusammenarbeiten. Der Mode mangelt es nicht an außergewöhnlichen Vorbildern. Eine entsprechende Plattform bleibt jedoch aus. Die Industrie geht lieber auf Nummer sicher. Und dabei ist es dringend notwendig, die Karten neu zu mischen – für ein Spiel, das neue, unterschiedliche Spieler hervorbringt. Und jetzt, 2018, liegt es an uns, endlich und tatsächlich neue Spielregeln aufzusetzen.