©Ayotunde Oguntoyinbo

Die Fast Fashion Industrie und ihre Auswirkungen

Wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann wissen wir doch alle, was die Zettelchen in unserer Kleidung bedeuten. „Made in Bangladesh“, „Made in China“ oder „Made in Kambodscha“. Genauso wie wir alle wissen, dass das T-Shirt, was bei Primark grade mal 4€ kostet, nicht nachhaltig oder fair produziert worden sein kann. Trotzdem verschließen wir alle die Augen vor der Wahrheit – gegen das schlechte Gewissen! Schließlich wollen wir alle die neusten Trends tragen und das zum kleinsten Preis! Und genau das macht die Fast Fashion Industrie möglich.

Was bedeutet Fast Fashion eigentlich?

Marken wie Primark, H&M, Zara und Asos kopieren Modetrends und Laufstegmodelle bekannter Designer und bringen diese innerhalb nur weniger Wochen in die Geschäfte. Früher gab es im Jahr vier Kollektionen (pro Saison eine) – heute gibt es sechs bis acht. Zara zum Beispiel braucht grade mal 7-30 Tage um eine neue Bekleidungslinie in die Läden zu bringen. Durch geringe Produktionskosten, günstige Qualität und konkurrierende Händler werden die Preise immer niedriger. Mittlerweile ist der Kaffee bei Starbucks ja fast teurer als ein T-Shirt!

Doch die günstige Kleidung bringt einen hohen Preis mit sich

Kostet ein T-Shirt im Laden 29€ erhält die Näherin davon grade mal 18 Cent. Im Monat verdient sie umgerechnet ungefähr 30€ und das bei extrem schlechten Arbeits- und Sicherheitsbedigungen. Ihr habt bestimmt alle vom Einsturz des Rana Plaza Gebäudes in Bangladesh 2013 gehört. Einige Tage zuvor berichteten Näherinnen noch, dass es Risse in den Wänden und Mauern gebe, doch ihnen wurde gesagt, sie sollen weiter arbeiten. In dem Gebäude waren 5 Textilfabriken untergebracht, die unter anderem für Primark, Benetton, Mango und Adler produzierten. Beim Einsturz starben 1127 Menschen. Darunter auch Kinder, denn in diesen Ländern ist Kinderarbeit nichts ungewöhnliches. Die Näherinnen arbeiten außerdem stundenlang ohne Pausen und sind gesundheits- und umweltgefährdenden Chemikalien ausgesetzt. Einer Studie zufolge sind etwa 2/3 aller Gewässer in China mit Chemikalien verschmutzt.

Da hören die Nachteile der Fast Fashion Industrie aber noch lange nicht auf

Mittlerweile gibt es viel zu viel Kleidung auf der Welt. Trotzdem haben wir angeblich nie etwas zum anziehen, obwohl jeder etwa 20 Schrankhüter besitzt – Teile, die seit Ewigkeiten nicht mehr getragen wurden. Dadurch, dass ständig neue Trends auf den Markt kommen, ist das Teil, was ich letzten Monat unbedingt haben musste schon wieder „out“. Möchte ich dem Trend folgen, muss ich also ständig Neues kaufen. Wir tragen unsere Kleidung nur noch halb so lange wie früher, kaufen doppelt so viel ein und geben dabei aber gleich viel aus. Die schlechte Qualität der Textilien führt zu einer noch geringeren Nutzungszeit und die geringen Preise fördern die Wegwerfmentalität. „Hat ja nur 10€ gekostet, kauf ich mir eben ein Neues!“. Die Kleidung, die wir nicht mehr haben möchten landet auf Mülldeponien und verschmutzt unsere Umwelt. Denn heutzutage sind die meisten Textilien aus synthetischen Materialien hergestellt. Diese brauchen hunderte von Jahren bevor sie vollständig abgebaut sind.

Doch was kann ich persönlich dagegen tun?

Ganz einfach! Befolge die 5 R Regeln:

Refuse – wenn du weißt, dass es sich um einen Trend handelt, der nicht lange anhalten wird oder du von vornherein vor hast das Kleidungsstück nur wenige Male zu tragen, dann lass es im Laden hängen!

Reduce – Frag dich doch mal: Brauche ich das wirklich? …Und versuche weniger zu kaufen

Reuse – Kauf doch mal Second Hand oder verkaufe deine ungeliebten Teile auf einem Flohmarkt, jemand freut sich vielleicht noch darüber!

Repair – Anstatt deine Sachen wegzuwerfen (und das gilt nicht nur für Kleidung!) wenn sie irgendwo ein kleines Loch haben, versuche sie zu reparieren

Recycle – wenn es wirklich gar nicht mehr geht, versuch doch was neues draus zu machen! Upcycling ist immer noch ein großer Trend!

 

Mittlerweile gibt es auch viele schöne Fairfashion Labels, bei denen man mit einem guten Gewissen einkaufen kann, da die Kleidung unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wird. Und zu guter letzt eine kleine Richtlinie: Erst wenn du dein Kleidungsstück 30 Mal getragen hast, rechtfertigst du deinen Kauf gegenüber den Umweltkosten.