© Hans Scherhaufer

FA(T)SHIONISTA – 10 Forderungen und Wünsche an die Welt!

Magda Albrecht brachte Anfang des Jahres ihr Buch „Fa(t)shionista – Rund und Glücklich durchs Leben“ auf den Markt! Wir zeigen euch einen Ausschnitt daraus! 

Die Art und Weise, wie dicke Menschen behandelt werden, sagt viel über unsere Gesellschaft aus – und zwar nicht immer Gutes, findet die Autorin Magda Albrecht. Sie hat gelernt, dem Schlankheitsideal etwas entgegenzuhalten: stolze Fa(t)shionistas und die Erkenntnis, dass Diäten nichts bringen – außer schlechter Laune. Genau das behandelt sie in ihrem aktuellen Buch „Fa(t)shionista – Rund und Glücklich durchs Leben“! Darin findet man auch ihre 10 Wünsche an die Welt. Und diese möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten! Ein Auszug aus ihrem Buch:  

 

„Mein Manifest will ganz schön viel. Du erinnerst dich: Bescheidenheit ist nicht so meins. Wir wollen ja nicht ein Stück des Kuchens, wir wollen die ganze Bäckerei! Ich habe mich auf meinen Hosenboden gesetzt und aufgeschrieben, was mir wichtig ist. So fängt das schöne Leben ja an, mit Träumen und Wünschen. Abschreiben, Kopieren, Verändern, Diskutieren, Durchstreichen oder gleich Neuschreiben ist übrigens unbedingt erwünscht.“
Hier sind meine zehn Forderungen und Wünsche:

1. Die Zahl auf der Waage entscheidet nicht über meinen Wert.

  • Gewichtsverlust ist nicht moralisch besser, als das eigene Gewicht zu halten oder Gewicht zuzunehmen.
  • gegen profitorientierte Diätprogramme
  • für Aufklärungskampagnen über schädliche Diätmittel
  • für weniger Moralkeulen und mehr Respekt

 

2. Ich will Schönheitsideale ausdehnen – und zum Platzen bringen.

  • Schönheitsnormen sind keine heiligen Gebote.
  • für mehr Diskussion und kritische Auseinandersetzung 
bereits im Kindesalter

 

3. Essen ist für alle da – und zwar mit Genuss, nicht mit Stress.

  • Essen kann lecker sein und glücklich machen. Essen kann dem Körper nicht guttun oder allergische Reaktionen hervorrufen. Bestimmte Nahrungsmittel sind aber nicht per se »gut« oder »schlecht«.
  • gegen Diet Talk, verkrampfte Kalorienzählerei und das schlechte Gewissen
  • für mehr vegane, vegetarische und allergiesensible Angebote, damit alle genießen können

 

4. Ich möchte eine vorurteilsfreie medizinische Behandlung.

  • Gesundheit und Krankheiten sind komplex und keine Indizien für eine moralische Überlegenheit auf der einen oder Versagen auf der anderen Seite.
  • für medizinische Geräte und Hilfsmittel, die auch für dicke Körper geeignet sind
  • für Weiterbildungen zum Thema Gewichtsdiskriminierung in ärztlichen Einrichtungen

 

5. Ich möchte die Möglichkeit haben, mit meinem Körper eine coole Freundschaft einzugehen – oder sogar eine heiße Liebesaffäre.

  • Der gesellschaftlich geförderte Körperhass bedeutet nur Stress.
  • für die Förderung von Körpervielfalt als gesellschaftlicher Wert
  • für das Recht, die eigenen Falten, Speckrollen oder die abstehenden Ohren zu lieben

 

6. Ich möchte mich bewegen, weil es mir Spaß macht – nicht, weil ich muss.

  • gegen jegliche Belästigung am Badesee, im Fitnessstudio oder Sportverein
  • für Sportklamotten in großen Größen, körperpositive Sportprogramme, weniger Leistungsdruck und mehr Freude an Bewegung

 

7. Ich nehme es nicht hin, dass es mehr Diätprogramme gibt als passende Klamotten.

  • für bezahlbare Kleidung in den unterschiedlichsten Größen, Farben, Formen und Stoffen
  • für einen respektvollen Umgang in der Umkleidekabine und für selbstorganisierte Kleidertauschpartys, Flohmärkte und Nähklubs
  • gegen altbackene Mode-Regeln

 

8. Ich habe ein Recht auf Schutz vor Diskriminierung.

  •  Ob in der Arbeitswelt, im Flugzeug oder im Krankenhaus, alle Menschen haben eine vorurteilsfreie und individuelle Behandlung verdient – und im Übrigen auch den gleichen Lohn.

 

9. Ich will mich in den Medien vertreten sehen – am liebsten mit Kopf und nicht als headless fatty!

  • für mehr dicke Leute vor und hinter der Kamera
  • für komplexere Darstellungen von dicken Charakteren 
jenseits von Trauerkloß und Klassenclown
  • für Frauenzeitschriften, die Frauen in ihrer Vielfalt stärken
  • gegen langweilige Dos & Don’ts, die uns vorschreiben, wie 
wir sein sollen

 

10. Ich habe ein Recht auf körperliche Selbstbestimmung – und fordere dieses auch für andere ein.

  • Für Entscheidungsfreiheit und persönliche Entfaltung ohne Beschämung.
    Oder frei nach dem Fat Liberation Manifesto: Dicke Menschen haben in vollem Maße menschlichen Respekt und Anerkennung verdient.

 

Am Freitag, 26.01.2018 findet ihre Buchpräsentation in Berlin statt. Von 18:30 bis 21 Uhr im Aquarium (Skalitzer Straße 6, 10999 Berlin) gibt es Kaffe und Kuchen, sowie eine Lesung der Autorin selbst. Danach lädt sie zum Austausch ein. Ihr solltet das auf keinen Fall verpassen! Wir trafen Magdalena Albrecht vor einiger Zeit persönlich und waren begeistert. Wahre Worte in einem kleinen Buch, das die Gesellschaft aufwecken soll. Hut ab!