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Filmvorstellung: Embrace – Du bist schön!

Gestern gab es die einmalige Gelegenheit, den Dokumentarfilm „Embrace“ von Taryn Brumfitt auch in Deutschland auf der großen Leinwand zu sehen. Das habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen. 
Medien, Werbung und Gesellschaft geben ein Körperbild vor, nach dem wir uns selbst und andere immer wieder bewerten und verurteilen. Die australische Fotografin und dreifache Mutter Taryn Brumfitt wollte das nicht mehr hinnehmen. Sie postete ein ungewöhnliches Vorher/Nachher-Foto ihres fast nackten Körpers auf Facebook und löste damit einen Begeisterungssturm aus. Durch ihren Post, der über 100 Millionen Mal in den sozialen Netzwerken angesehen wurde, rückte sie das Thema Body Image in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Gleichzeitig befreite sie sich selbst von dem ungesunden Streben nach dem „perfekten“ Körper. Mit ihrem Dokumentarfilm möchte Brumfitt allen, die unter den vermeintlichen Schönheitsidealen leiden, einen Gegenentwurf vorstellen: EMBRACE!

Als wir hörten, dass der Dokumentarfilm aus Australien in die deutschen Kinos kommt, habe ich mir sofort ein Ticket gekauft. Gestern Abend saß ich dann mit 445 anderen Interessierten im ausverkauften Mathäser Kino in München. Zu meiner Verwunderung (aber auch Begeisterung), waren darunter auch acht Männer. Mir hat es sehr gefallen, so viele unterschiedliche Frauen allen Alters zusammen zu sehen. Das war wirklich ein toller Einstieg in den Film. Dieser beginnt mit einem persönlichen Vorwort von Schauspielerin Nora Tschirner, die Executive Producerin von Embrace.

 

 

Taryn Brumfitt begibt sich auf eine Reise um den Globus, um herauszufinden, warum so viele Frauen ihren Körper nicht so mögen, wie er ist. Sie trifft auf Frauen, die ihre ganz eigenen Erfahrungen mit Bodyshaming und Körperwahrnehmung haben. Der Film inspiriert und verändert die Denkweise über uns und unsere Körper. Taryns Botschaft lautet: Liebe deinen Körper wie er ist, er ist der einzige, den Du hast!

Ihre Geschichte ist wirklich mitreissend und das hat man auch im Kinosaal gemerkt. Als Taryn beispielsweise in Los Angeles bei einem Schönheitschirurgen war und dieser ihr erklärte, was man alles mit ihrem Körper machen könnte – unteranderem das Fett aus ihrem Hintern in die Lippen zu spritzen – lachten alle herzlich mit. Diese Vorstellung ist wirklich super skurril. Besonders interessant fand ich das Interview mit der australischen Redakteurin Mia Freedman:

„Wenn du dir die Frauenmagazine der letzten 40 oder 50 Jahre anschaust, könnte man tatsächlich denken es gäbe nur einen Typ Frau. Und die ist zwei Meter groß, etwa 17 Jahre alt, normalerweise blond und blauäugig und mit einer Haut wie Plastik. In Wahrheit ist sie aber ein Alien, weil sie am Computer entsteht. Und Frauen vergleichen sich. Und wenn man sich ständig vergleicht, mit etwas das es gar nicht gibt, wie soll man sich dann gut fühlen, wenn man sich im Spiegel anschaut? Das ist eine schockierende Last und ein Armutszeugnis, wie unsere Kultur Frauen aufgrund ihres Aussehens abwertet.“

 

 

Am Ende ihrer Reise und auch am Ende des Films macht Taryn noch einen kurzen Stopp in Sydney, um mit einer riesigen Gruppe an fremden Leuten nackt schwimmen zu gehen. Der Veranstalter hat sie kontaktiert und Tayrn wollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Als sie sich selbst interviewt und erzählt, was das bei ihr ausgelöst hat, blieb kein Auge im Kinosaal mehr trocken. Die Tränen haben sich spürbar im Laufe des Filmes angestaut und die Geschichte, wie Tyran erzählt, dass sie neben einer Frau stand, die plötzlich aufschrie „Da ist ja noch eine, die nur eine Brust hat“, konnte keiner mehr die Tränen zurückhalten. Auch nicht die acht Männer, die freiwillig oder unfreiwillig in diesem Film saßen.

#ihaveembraced

Ein passenderes Schlusswort hätte der Film auch nicht haben können: Das Plus-Size Model, das Tyran bei ihrem Shooting in New York interviewte (siehe Bild oben) sagte: „I am big, beautiful and I have dangerous curves!“ Im Hintergrund lief ein Lied „You are beautiful the way that you are“ und das schnäuzen der Zuschauer. Mit einem Nachwort von Nora Tschirner endete der Film und der komplette Kinosaal brach in tosenden Applaus aus.

Wenn es nach Taryn Brumfitt und Nora Tschirner geht, ist der Film ein Anstoß zum Umdenken der Frauen überall auf dieser Welt. Und er hat jetzt schon so viel Aufmerksamkeit bekommen, wie sonst nur Blockbuster.

Der Abspann lief und keiner bewegte sich. Nur langsam standen nach und nach einige Frauen auf und verließen den Saal. Viele von ihnen blieben noch sitzen, unterhielten sich und waren spürbar noch nicht bereit nach draußen zu gehen. Denn dort wartete die Realität, im Kino hatten alle das Gefühl von Verständnis, Geborgenheit und Sicherheit.

Ich hoffe, dass diese Frauen (und auch die vielen anderen, die den Film in ganz Deutschland gestern Abend gesehen haben), vielleicht nun ihren Körper lieben und diese Botschaft und dieses Gefühl in die Welt tragen. Wir werden weiterhin unser bestes geben, um diese Botschaft mit euch zu teilen.

Übrigens: Heute Abend könnt ihr mit Taryn Brumfitt und Nora Tschirner im Facebook-Live-Chat sprechen! Seid online! Und zwar ab 19 Uhr auf der Facebook-Seite von WUNDERWEIB unter www.facebook.com/wunderweib.de.