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Frank Berzbach: „Ich mag es, das Schöne an Menschen zu feiern“

Achtsamkeitspraktizier, Bestsellerautor, Dozent und Liebhaber von schönen Dingen – Dr. Frank Berzbach (47) erörtert in seinem neuen Buch „Die Form der Schönheit“ die Quelle der Lebenskunst. Schönheit ist ein Grundbedürfnis. Jeder Mensch »verschönert« etwas und wenn er das tut, geht es ihm besser. Dennoch nehmen wir die Schönheit oft nicht als Bestandteil unseres Alltags war – wir vernachlässigen unsere ästhetischen Bedürfnisse, unser Formbewusstsein verkümmert.

In seinem neuen Buch zeigt Frank Berzbach: den Sinn für Schönheit zu schärfen, ein Bewusstsein für Ästhetik zu entwickeln, heißt auch, ein glücklicheres Leben zu führen. Nur so können wir die Schönheit von Menschen, von Kleidung und Essen, die Schönheit des Analogen wie auch der Natur wertschätzen. Für uns entschlüsselt er das abstrakte Mysterium.

 

The Curvy Magazine: Was bedeutet Schönheit für dich?

Frank Berzbach: Sie ist eine erneuerbare Ressource und sie ist eine Quelle für Glück. Auch an grauen Tagen findet sich irgendetwas schönes.

 

3 Dinge aus deinem Leben, die du schön findest:

Bücher, Schallplatten und Frauen.

 

Inwiefern beeinflusst Schönheit unser Leben?

Der Mensch hat auch ästhetische Grundbedürfnisse. Schönheit kann betören, beruhigen und erregen, sie Grenzt damit an Zauberei. Es gibt viele Varianten der Schönheit und gerade die unergründliche Tiefe der Schönheit wird nie langweilig.

 

Du schreibst, dass wir heute nur noch mit profanen Ausdrücken wie „like“, „nice“ oder „love“ unsere Zuneigung ausdrücken, kritisierst zurecht unsere Vokabel-Armut und den damit einhergehenden Form-Verfall. Frank, wie macht man richtig Komplimente?

Ich mag es, das Schöne an Menschen zu feiern. Menschen zu sagen, dass Ihre Kleidung, Ihr Lächeln, vielleicht ein Wort oder eine Geste toll sind, das genügt oft schon. Das kann gewagt sein, wenn man Menschen näher kennt, darf man sagen, dass jemand sexy aussieht. Unverfängliche Komplimente sind aber nicht weniger wirksam; ich lobe oft die Schuhe von Menschen, wenn sie mir gefallen.

 

Was findest du schön an dir?

Das überlasse ich lieber anderen; auch Männer bekommen gern Komplimente, wenn auch seltener. Seit ich dafür einmal Komplimente bekam, mag ich meine Hände.

 

Ist Schönheit etwas Subjektives?

Nur zu einem geringen Teil. Harmonie- und Stillehren spielen eine Rolle, aber man muss eigenwillig und formbewusst davon abweichen können. Schönheit ist nicht eindeutig und objektiv festlegbar, aber sie ist noch viel weniger einfach nur ein beliebiges Individualurteil.

 

Eine interessante These, dass Schönheit selbst ihren Auftritt im Wetter haben kann. Wo kann man noch unentdeckte Ursprünge von Schönheit entdecken?

In unserem Alltag findet sich viel, was sich anhimmeln lässt. Eine vollendet inszenierte Tasse Espresso oder eine japanische Teeschale, auch ein gut gemachtes Magazin kann sehr schön sein. Mir sind die kleinen Dinge wichtig: ein Bleistift oder Fahrrad faszinieren mich mehr als ein dickes Auto.

 

Ist Schönheit abhängig von Parametern wie Symmetrie, Körpergröße und Jugendlichkeit?

Nein, das sind nur oberflächliche Kategorien. Symmetrie mag ich persönlich nicht. Die Körpergröße anderer ist auch von meiner eigenen abhängig. Ich glaube, dass alle Menschen, die die Fähigkeit besitzen, zu altern, immer schöner werden können.

 

Nach Umberto Ecos Theorien ist Hässlichkeit nicht die Kehrseite von Schönheit – was ist für dich das Gegenteil von Schönheit?

Ich halte mich an die asiatischen Lehren: das Gegenteil von Schönheit ist das Böse. Für mich ist auch das Vulgäre das Gegenteil des Schönen.