Victoria’s Secret: Soll Das Etwa Bodypositive Sein?

Dieser neue „Engel“ sorgt für ordentlich Diskussionsstoff auf Instagram.

Victoria’s Secret verleiht Flügel – und zwar seinem neusten „Engel“ Barbara Palvin. Bereits 2018 sah man sie auf dem Laufsteg der Victoria’s Secret Show, doch nun wurde sie offiziell zum Engel ernannt. Wer zum exclusiven Kreis der VS-Engel gehört, bekommt auf dem Laufsteg im Gegensatz zu den VS-Models nicht nur Flügel umgeschnallt, sie erscheinen auch in den großen Kampagnen und repräsentieren das Unternehmen auf offiziellen Anlässen – das bringt nicht nur ein gewisses Ansehen, sondern auch große Gagen mit sich!

 

Stolz verkündete das Model Barbara Palvin auf Instagram ihren Aufstieg in die Riege der Engel. Und Victoria’s Secret wird dafür gefeiert, endlich etwas für die Bodypositivity Bewegung zu tun. „Endlich! Ein echter menschlicher Körper!!“, „Endlich ein Model mit etwas Fleisch auf den Knochen!“ oder „Wenn Victoria’s auch Curvy Models zeigt … Der Moment, auf den wir alle gewartet haben“. Solche und andere Kommentare liest man auf Instagram.

Aber moment mal! Curvy??

Okay, zugegeben: Das ungarische Model ist wohl nicht ganz so skinny, wie man es von Victoria’s Secret kennt. Sie hat zumindest kein sichtbares Sixpack. Aber von curvy ist sie trotzdem noch meilenweit entfernt! Mit Maßen von 82-61-93 hat sie einen Körper, der für den Großteil der Bevölkerung nicht erreichbar ist. So ein schlankes Model als curvy zu bezeichnen, zeigt, wie verzerrt das Schönheitsideal des Unternehmens und unserer Gesellschaft wirklich ist. Sie als curvy zu bezeichnen ist einfach nur absurd.

Victoria’s Secret wird schon seit langem kritisiert. Immer wieder wird dem Unternehmen vorgeworfen, nicht mit dem Zeitgeist zu gehen. Denn immer noch sucht man verzweifelt nach Inklusion auf den Laufstegen der Shows. Immer noch weigert sich das Unternehmen mit Curvy oder Transgender Models zu arbeiten. Laut Chief Marketing Officer Ed Razek interessiert sich niemand für Plus Size Models in Unterwäsche. Die Vermarktung wird an Frauen gerichtet, die die Produkte kaufen und Victoria’s Secret verkauft nun mal nicht an die ganze Welt. „The Show is a fantasy“, begründet er die Wahl der „Engel“.

 

In einer Zeit von Curvy Models, Diversität und dem Glauben, dass jeder Mensch schön ist, hat Victoria’s Secret ganz einfach an Relevanz verloren. Und das zeigt sich auch an den aktuellen Verkaufszahlen: 2018 ging der Gesamtumsatz um 3% zurück und ganze 53 Filialen mussten geschlossen werden. Tja, wenn sie schon früher auf unsere Forderungen, größere Größen zu produzieren und auch auf den Laufstegen zu zeigen, eingegangen wären – vielleicht sähe es dann mit den Umsätzen anders aus …?

Ist Barbara Palvin vielleicht ein Mini Tippelschritt in Richtung Inklusion und Bodypositivity? Das Unternehmen lehnt eine Stellungnahme zu dem Thema leider ab. Wir vermuten aber, dass Victoria’s Secret realisiert hat, dass es mit seiner bisherigen Marketingstrategie einen Fehler begangen hat. Mit seinem neuem „Engel“ möchte das Wäscheunternehmen wohl seine Kunden zurückgewinnen, ein Zeichen für Diversity setzen und einen Erfolg abzielen. Und das ohne sich allzu weit aus der eigenen Komfortzone zu begeben oder zu stark von seinen Prinzipien abzuweichen.

Wir würden sagen: Too little, too late!