Women´s Week Day 6: Period. End of Sentence.

Dieser Dokumentar-Kurzfilm über Menstruation gewann einen Oscar!

„Period. End of Sentence“ ist ein 25-minütiger Film von Rayka Zehtabchi, der in der Kategorie Bester Dokumentar-Kurzfilm einen Oscar abräumte. Und zwar völlig zurecht! Wir finden es großartig, dass eine iranisch-amerikanische Regisseurin einen Oscar für einen Film über Menstruation gewonnen hat.

Behandelt wird also unter anderem das vermeintliche Tabuthema weibliche Hygiene und Menstruation, aber auch institutionalisierte Frauenfeindlichkeit. Mit der Auszeichnung beweist die Oscar-Academy endlich echte gesellschaftliche Relevanz!

Die Doku erschien über die Streaming-Plattform Netflix und heißt im deutschsprachigen Raum „Stigma Monatsblutung“. Dieser Titel ist zwar sehr treffend für die Problematik um das Thema, aber gleichzeitig auch ein wenig steif. Wirklich einladend ist der deutsche Titel nicht gerade.

 

 

„Period. End of Sentence“ zeigt wie das Filmteam eine Gruppe von Frauen im indischen Distrikt Hapur, welches ca. 60 km außerhalb Delhis liegt, begleitet und erzählt ihre Geschichten. Die Frauen arbeiten in einer kleinen Fabrik für Binden und versuchen das Hygieneprodukt an die frau zu bringen. Denn Binden, Tampons und Co. sind in Indien ein Privileg, eine Seltenheit. Während wir uns in Deutschland darüber beschweren, dass Damen-Hygieneartikel als Luxusprodukte versteuert werden, haben nur etwa 10% der indischen Frauen überhaupt Zugang  zu solchen Produkten.

Die Doku bietet einen wirklich augenöffnenden Einblick in das Leben dieser Frauen und rührte mich ehrlich gesagt zu Tränen, die bereits am Anfang meine Wange herunter kullerten, als ein junges Mädchen vorgestellt wurde. Sneha, eine der Protagonistinnen des Films, hat ihre Schulausbildung abgebrochen als sie ihre Periode bekam. Es war einfach zu kompliziert und unangenehm für die junge Frau. Doch sie erhofft sich nun mehr. Sie verdient nun ihr eigenes Geld in der Fabrik und geht wieder zu Schule. Sie will Polizistin werden und unter ihrem eigenen Namen bekannt sein – nicht dem ihres Vaters.

Im Allgemeinen trifft das Thema auf sehr viel Scham und Unverständnis. Am Anfang werden sowohl Mädchen, als auch Jungen befragt, ob sie wissen was die Periode ist. Die Reaktionen sprechen für sich: beschämte Blicke nach unten, unangenehmes Kichern, Stille… Wenn Frauen ihre Periode bekommen, muss das ein unglaublicher Schock sein. Niemand bereitet sie darauf vor, weder Ehepaare, noch Mütter oder Freundinnen reden miteinander über dieses Thema. Eine Frau, die menstruiert gilt als unrein, ihr wird der Zugang zu Tempeln verweigert und sie erntet herablassende Blicke.

 

Neben den verschiedenen Frauen und ihren Geschichten wird auch der Erfinder der Maschine zur Herstellung von Binden vorgestellt, und ja es ist ein Mann: Arunachalam Muruganantham. Eine tolle Erfindung, die großartige Möglichkeiten für die Frauen in Hapur bietet, aber er ist auch der einzige, der mit vollem Namen genannt wird. Etwas fragwürdig.

Dennoch ist „Period. End of Sentence“ eine wirklich tolle Doku, die mit ihren eindrücklichen und kraftvollen Aufnahmen vieles aussagt. Die Auszeichnung ist ein wahrer Segen! Dieses Thema verdient ungeteilte Aufmerksamkeit, denn nicht nur in Indien, sondern auch in vielen anderen Teilen der Welt wird noch lange nicht ausreichend über Menstruation und weibliche Hygiene gesprochen. Die Dokumentation ist ein weiterer Schritt gegen die strukturelle Benachteiligung der Frauen.

Wir bedanken uns bei Regisseurin Rayka Zehtabchi, der Produzentin Guneet Monga und den vielen Studenten, Eltern und Lehrern einer kleinen High School in Los Angeles, ohne deren Engagement das „Pad Projekt“ nicht hätte ins Leben gerufen werden können. Eine wirklich tolle Aktion, die auch du unterstützen kannst! Mehr Inofs unter: www.thepadproject.org.

 

 

Ein Hoch auf alle Frauen! Ihr seid stark, selbstbewusst und wunderschön!

So sagt es auch der Erfinder der Binden-Maschine am Ende des Films und rührte mich ein weiteres Mal zu Tränen: „The strongest creature on earth is not the elephant, not the tiger, but the girl.“