© Louise Green - Vairdy Photography

Buchtipp: „Big Fit Girl“ von Louise Green

Menschen mit Übergewicht machen keinen Sport – dieses weit verbreitete Vorurteil hält sich hartnäckig. Und genau das will die Engländerin Louise Green ändern. Bereits 2008 hat die Plus-Size-Frau mit „Body Exchange“ ein Fitness-Programm für die Bedürfnisse von Curvys erschaffen. Auch sie selbst trainiert hart. Warum sie trotzdem nicht schlank ist? Ganz einfach: Darum geht es Louise gar nicht.

In ihrem Buch „Big Fit Girl“ (Greystone Books/ ca. 12 Euro) erklärt die sportbegeisterte Fitness-Expertin unter anderem, warum in der Sport-Industrie bei Menschen mit Übergewicht ganz schön viel falsch läuft.

 

„Meine Motivation für Sport dreht sich nicht mehr ums Abnehmen“

 

© Louise Green – Vairdy Photography

Im Interview mit The Curvy Magazine verrät Louise Green außerdem, warum nur bestimmte Plus-Size-Frauen in unserer Kultur geduldet werden und verrät, wie wirklich jeder sich dazu motivieren kann, mit dem Training anzufangen.

The Curvy Magazine: Sie sind ein „Big, Fit Girl“ – wie gehen Sie damit um, wenn Leute schlecht über Plus-Size reden?

Louise Green: Für gewöhnlich umgebe ich mich nicht mit Menschen, die negativ über dicke Menschen sprechen. Das sind meistens Internet Trolls und ich konzentriere meine Energie lieber auf die Leute, die für mich zählen: Frauen, die nach Inspiration und Vorbildern suchen. Das sind die, auf die ich mich fokussiere.

Wann haben Sie angefangen zu trainieren – und jetzt mal ehrlich: Macht Ihnen das wirklich Spaß?

Ich hatte jahrelang eine On- und Off-Beziehung mit Sport – aber da ging es immer nur darum abzunehmen. Es war sehr erniedrigend und ich liebte den Endorphin-Rausch. Aber den eigentlichen Grund für Sport mochte ich nicht. Seit ich meine Gedanken geordnet habe, liebe ich es, zu trainieren. Heute kann ich gar nicht mehr ohne Sport leben.

Kurvige Frauen wurden oft kritisiert – jetzt scheint es so, als wäre es in Ordnung, Plus Size zu tragen. Stimmt das mit Ihrer Erfahrung überein?

Das kommt auf das Publikum an. Ja, Plus Size wird immer mehr akzeptiert, aber nur ein ganz bestimmter Typ von Plus-Size-Frauen bekommt eine Art Wertschätzung. Für gewöhnlich hat diese Frau eine Sanduhr-Figur und wird als appetitlicher angesehen, wenn sie sich für Sachen interessiert, die für Gesundheit stehen.

In unserer westlichen Kultur werden nicht alle Plus-Size-Frauen angenommen. Und sogar die, bei denen es so ist, werden nicht in allen Kreisen akzeptiert. Meine Erfahrung zeigt mir, dass es viele Unterstützer gibt. Aber ich falle eben mit Größe 46 auch in die noch irgendwie akzeptable Kategorie, weil ich eine Sanduhr-Figur habe und aktiv bin – aber ich bekomme auch viel Hass zu spüren. Das scheint sich die Waage zu halten.

 

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Sie trainieren sehr hart, aber nicht um abzunehmen, oder?

Meine Motivation für Sport dreht sich nicht länger ums Abnehmen. Ich mache es, um mir meinen Körper und meine emotionale Kraft zu Nutze zu machen – und um mich gut zu fühlen. Dieses Abnehm-Spiel war für mich immer schlecht und absolut nicht im Einklang mit dem, was meine Gesundheit meine Körper hätte stärken können.

Wenn ich nun also mit dem Training anfangen wollen würde: Wie würde ich das machen?

Ich denke, die Leute entscheiden sich einfach dafür und tun es. Es ist tatsächlich so einfach. Um seine Angst etwas abzuschwächen, könnte man gemeinsam mit einem Freund starten oder einer Gruppe beitreten, die dem eigenen Körpertyp und den eigenen Bedürfnissen entspricht. Manche Leute mögen es auch, alleine zu trainieren oder Workout zu Hause zu machen. Der Punkt ist, dass man etwas findet, dass einem Spaß macht und von dem man glaubt, dass man es aufrecht erhalten kann.

Welchen Ratschlag haben Sie für andere Plus-Size-Beautys?

Ich denke, wir sollten uns alle von dem entfernen, was uns die Gesellschaft seit Jahren aufgetischt hat. Das ideale Frauenbild entspricht nicht unbedingt dem, wie alltägliche Frauen aussehen. Wir müssen lernen zu verstehen, dass Photoshop im Marketing und in den Medien weit verbreitet ist und dass wir das, was wir in vielen Fällen sehen, ein unmöglicher und nicht einmal realer Standard ist.

Ich möchte, dass alle Frauen sich so annehmen, wie sie sind und sich niemand von ihrem authentischen Selbst entfernen. Liebt jedes bisschen an euch, weil das Leben zu kurz dafür ist, sich Gedanken um ein Thigh Gap oder ein Doppelkinn zu machen. Geht einfach raus und rockt den Körper, den ihr habt.