Magisches Marrakesch

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Magisch und facettenreich – wer beim Thema Urlaub Wert auf Individualität und Inspiration legt, sollte sich Marrakesch gönnen. Denn kaum eine Millionenmetropole wirkt so sinnlich auf Körper und Geist wie die Wahlheimat vieler europäischer Kreativer.

Ich träume oft von diesen Farben …“ – Als Yves Saint Laurent 1967 das erste Mal nach Marrakesch kam, war er wie verzaubert von der Opulenz und Lebenskraft dieses besonderen Ortes. Gemeinsam mit seinem Partner Pierre Bergé verlegte der Pariser seinen zweiten Wohnsitz zunächst in die verwinkelte Medina, ab 1980 kam das Blaue Haus im zauberhaften Jardin Majorelle hinzu, der wundersame Bäume, Kakteen und Sukkulenten von allen fünf Kontinenten der Erde beherbergt.

Hier im Südwesten von Marokko liegt definitiv der Sehnsuchtsort stressgeplagter Großstädter und natürlich viele Kreativer, die sich hier den ein oder anderen Riad mit obligatorischem Innenhof gekauft und liebevoll renoviert haben – stets auf der Suche nach ultimativer Inspiration. Denn die finden sie hier tatsächlich, ebenso wie authentische und handgearbeitete Produkte, die es nur hier und nirgendwo sonst gibt. Und das trotz Globalisierung und Massenware, die ihren Weg leider inzwischen auch in die verwinkelten Gassen der Medina gefunden haben.

Liebevoll gefertigte Babouches aus feinstem Ziegenleder, fein geschmiedete Lämpchen oder knallbunt bemalte Keramik – in den berühmten Souks, den überdachten Märkten von Marrakesch, lohnt sich ausgiebiges Stöbern und Wühlen durchaus. Aber Vorsicht, Nepp und Billigware lauern auch hier an jeder Ecke und ein knappes aber bestimmtes „Non“ in Richtung aufdringlicher Touristen-Fänger ist absolut empfehlenswert.

Tief im Inneren der rostrot getünchten Stadtmauern, insbesondere im Norden der labyrinthartigen Medina, finden wir zum Glück noch die feinen Handwerker-Ateliers, die ihre verstaubten Waren in kleinen, zur Straße geöffneten Fenstern feilbieten. Hier entdecken wir sich so manches Kleinod, für das man uns daheim garantiert beneiden wird. Also keine Angst vor klappernden Eselskarren, frei laufenden Hühnern oder wild gestikulierenden, hektisch herumwuselnden Anwohnern in traditionell-wallenden Gewändern. Die Zeit scheint hier stillzustehen, das lebhafte Treiben beweist jedoch, dass sich hier das pure Leben abspielt. Es ist gerade dieser Kontrast aus Orient und Okzident, der sich hier perfekt vereint und bei manchem Puristen ungeahntes kreatives Potential freilegt.

Schnell verlangt es selbst hartgesottene Großstädter nach einer kleinen Verschnaufpause und hält Ausschau nach einer Ruhe-Oase, die sich überraschenderweise hinter unscheinbaren aber oft verschlossenen Türen auftut. Wer sich auskennt, drückt einfach auf den richtigen Klingelknopf oder gusseisernen Türklopfer und glaubt sich plötzlich mitten im Paradies. Angenehm temperierte Riads samt Springbrunnen entpuppen sich als orientalische Teesalons mit gemütlichen Sitzecken und vor allem himmlischer Stille, wo neben süßem Minztee feinste marokkanische Pâtisserie serviert wird.

Jede Menge Rooftop Bars, für die sich das Erklimmen steiler Stufen lohnt, servieren als Alternative zu gezuckerten Desserts lukullische Leckerbissen aus der traditionellen Tajine. Egal ob mit Rindfleisch, Pflaumen und Mandeln oder vegetarisch mit Kartoffeln, Gemüse und Harissa – die Vielfalt an Gewürzen in den raffiniertesten Kompositionen sind eine echte Gaumenfreude; immer dabei ist auf den Punkt gegartes Couscous.

Sobald es dunkel wird, lohnt sich ein Besuch auf dem weltberühmten Djemaa el Fna, dem immer noch mittelalterlich anmutenden Markt- und ehemaligem Henkersplatz. Feuerschlucker, Schlangenbeschwörer und mobile Garküchen buhlen hier um die Gunst der neugierigen Besucher. Bei Tag lohnen sich neben der Koutubia-Moschee aus dem Jahr 1158, den Agdal-Gärten und selbstverständlich Yves Saint Laurents Jardin Majorelle, der seit 2001 auch für Besucher zugänglich ist.

Wer beim Thema Unterkunft noch zwischen Luxushotel und romantischem Riad schwankt oder die besten Hotspots für landestypische Bars, Restaurants und Souvenir-Shops sucht, darf sich von unserer Location-Liste inspirieren lassen – und wird feststellen: Marrakesch ist nicht nur magisch, sondern genauso wie Yves Saint Laurent einst schwärmte: „die ganze Welt an einem Ort„.

Café Arabe Die große Rooftop Bar mit Restaurant und Blick über die ­Medina lockt mit italienisch-marokkanischer Küche und geräumigen Sofas.

Dar Cherifa Das etwas versteckte Literaturcafé ist Galerie und Treffpunkt vieler Künstler, die sich hier zum kulturellen Austausch oder einfach nur zum Lunch treffen.

Dar Moha Purée de poivrons rouges aux amandes oder lieber Zaalouk d’aubergines au cumin? Wer den kulinarischen Himmel Marokkos erleben will, sollte rechtzeitig reservieren.

Dar Zellij Liebevoll restauriertes Riad aus dem 17. Jahrhundert, in dessen Innenhof man unter Orangenbäumen erlesene Speisen des ausgezeichneten Restaurants genießen darf.

Grand Café de la Poste Lust auf Kolonialzeit-Ambiente? In der Neustadt gelegen, scheint in diesem Grand Café die Zeit seit den 20er Jahren stillzustehen.

Jardin Majorelle In der wunderbaren Oase und dem Geburtsort des berühmten Bleu Majorelle wandelte einst Yves Saint Laurent und ließ sich von der exotischen Fauna inspirieren.

Beautiful Riad Bis zu vier Gäste haben Platz im liebevoll renovierten Riad der deutschen Modedesignerin Nicole Francesca Manfron, die ihr Paradies bei Airbnb anbietet.

Lalla Klein aber fein. Am Boulevard El Mansour Eddahbi verkauft die französische­ Fashionista Laetitia Trouillet hübsche Taschen und Accessoires.

La Mamounia Fünf-Sterne-Hotel der Luxus-Klasse. ­Die noble Unterkunft mit Spa und Restaurants war einst Lieblingsadresse von Churchill, de Gaulle und Roosevelt.

Palais Namaskar Best Hotel in Africa und Best Luxury Fitness Spa in Afrika – der Palais Namaskar bedeutet Luxus pur. Ein Hotel-Palast wie aus 1001 Nacht.

Terrasse des Épices Die gemütliche Rooftop Bar über den Dächern der Medina, als dessen Spezialität die ‚Tanjia Marrakchia‘ gilt, verfügt sogar über einen Barbier im Erdgeschoss.

 

 

Fotos: Pexels / Gerlind Hector